Projekte und Kampagnen

Die Selbsthilfeorganisation für Afrikanische Frauen ist mit ihren Kampagnen auf verschiedenen Ebenen tätig. Einige finden nur auf einer Ebene statt, andere sind jedoch auf verschiedenen Ebenen verbunden, wobei sich die  verschiedenen Themenbereiche meist überschneiden.

 

Transnational

European Network of Migrant Women (Rechte von Migrantinnen/Frauen)

Das Europäische Netzwerk für Migrantinnen besteht aus NGOs und Vereinen, die die Interessen von Migrantinnen in der EU vertreten. ENoMW hat Mitglieder aus 19 europäischen Ländern. Das Netzwerk wurde von der European Women’s Lobby 2006 gegründet. ENoMW arbeitet für gleiche Rechte und gleiche Behandlung von Migrantinnen. Dabei werden regelmäßige Informationen an die verschiedenen Instanzen der europäischen Gesetzgebung gegeben und die Umsetzung von Gesetzen überwacht. ENoMW möchte Gesetze und Aktionspläne die Migrantinnen betreffen mit entwerfen und die frauenspezifischen MSOs unterstützen, sowie mit Informationen und Trainings auf dem Laufenden halten. Die Arbeitsgebiete sind vielfältig und reichen von Gesundheit, Arbeit, Gewalt gegen Frauen bis zu Arbeitskonditionen, Partizipation am öffentlichen und sozialen Leben, sowie Migrations- und Asylrecht. Frau Wangare-Greiner vertritt die Stimme der Migrantinnen in Deutschland in diesem Forum. Seit 2008 ist sie auch Vorsitzende des Netzwerkes und vertritt es vor verschiedenen europäischen Gremien, auf Konferenzen der Vereinten Nationen und in der European Women’s Lobby.

 

End FGM (Rechte von Migrantinnen/Frauen und Gesundheit)

End FGM ist eine europäische Kampagne die von Amnesty International geleitet wird und mit einer Anzahl von Organisationen aus verschieden Europäischen Mitgliedsstaaten arbeitet. In Zusammenschluss soll die Genitalbeschneidung von Frauen auf die europäische Agenda gebracht werden. Die Kampagne zielt darauf ab die Europäische Union dazu zu bringen eine Strategie zur Beendung von weiblicher Genitalbeschneidung zu entwickeln, sowie Schutz für die Mädchen und Frauen zu gewähren die auf Grund von Genitalbeschneidung aus ihren Heimatländern fliehen.  Seit diesem Jahr ist Maisha e.V. ist eine von 14 Organisationen europäischen Mitgliedsstaaten die sich an dem Projekt beteiligen.

 

National

Integrationsgipfel (Integration)

Der Integrationsgipfel ist ein Zusammenkommen von Vertretern aus Politik, von MigrantInnenverbänden, Medien, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und Sportverbänden. Jährlich laden die Kanzlerin und die Integrationsministerin ins Kanzleramt um mit den genannten Experten den nationalen Integrationsplan aufzustellen. Der Plan enthält Ziele, Maßnahmen und Selbstverpflichtungen von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren, anhand dieser die Regierung Integrationspolitik betreiben will. Frau Wangare-Greiner wird seit dem ersten Integrationsgipfel 1996 ins Kanzleramt eingeladen, um ihre Erfahrungen und ihr Wissen als Vertreterin der afrikanischen Frauen von Maisha e.V. zu teilen.

 

European Network of Migrant Women, Nationale Plattform (Rechte von Migrantinnen/Frauen)

Dem jährlichen Treffen des European Network of Migrant Women geht immer eine Konferenz auf nationaler Ebene voraus. Hier werden Ideen gesammelt, auf Bedürfnisse hingewiesen und Probleme klar angesprochen um einen nationalen Plan für die Rechte von Migrantinnen aufzustellen. Auf deutscher Ebene kommen hier Frauen aus bis zu 18 verschiedenen Organisationen und Netzwerken zusammen. Frau Wangare-Greiner organisiert die nationale Konferenz und vertritt dort Maisha e.V. Sie hat die Aufgabe die Ergebnisse in dem europäischen Forum von Migrantinnen zu präsentieren und deutsche Migrantinnen zu repräsentieren.

 

Nationale Plattform zur Beseitigung von FGM (Rechte von Migrantinnen/Frauen und Gesundheit).

Vor den Treffen auf europäischer Ebene wird auf nationaler Ebene ein Plan mit Bedürfnissen, Problemen und Lösungsansätzen ausgearbeitet. Hierzu treffen sich Frauen von Maisha e.V. und sprechen über ihre Erfahrungen und beraten wie man die Situation in Deutschland und in den verschiedenen afrikanischen Heimatländern ändern kann. 

Lokal

Gesundheitssprechstunde (Gesundheit)

Anfang 2001 begann die „Gesundheitsberatung für afrikanische Frauen, Männer und Familien“. Dieses Projekt wurde von Maisha e.V. in Kooperation mit verschiedenen Stellen[1] der Stadt Frankfurt gegründet. Das Konzept geht vom humanitären Hilfsgedanken aus und ist an die Einwohner Frankfurts gerichtet, die das Gesundheitswesen aus verschiedensten Gründen nicht erreichen können. Bei der Umsetzung des Projektes war wichtig, dass eine Fachkraft mit Migrationshintergrund und guten Sprachkenntnissen, sowie Erfahrungen in der Gesundheits- und Sozialberatung zur Verfügung steht. Des Weiteren wurde darauf geachtet, dass das Angebot innerhalb der bereits bestehenden Kapazitäten[2] umgesetzt werden konnte, sowie einer vorhandene Selbsthilfestruktur in Form einer MSO. Um das Projekt bekannt zu machen wurden Informationsveranstaltungen in afrikanischen Gemeinden durchgeführt, Broschüren in afrikanischen Geschäften- und Lokalen verteilt und es wurden auch Bordellbewohnerinnen und Streetworker über das Angebot informiert. Zu der Sprechstunde kommen Menschen ohne sicheren Aufenthaltsstatus, ohne Krankenversicherung, Menschen die sich diskriminiert fühlen und Menschen in unsicheren Lebenslangen. Das Angebot ist kostenlos uns anonym. Dabei kann das gesamte Personal des Gesundheitsamtes genutzt werden. Das Personal setzt sich aus einer Allgemeinmedizinerin, einer Kinderärztin, einer Arzthelferin, einer Krankenschwester, einer afrikanischern Mediatiorin und externen Honorarkräften zusammen. Die Diagnosenspektrum entspricht dem jeder anderen deutschen Hausarztpraxis auch und es gibt nur selten Ausnahmefälle die nicht vor Ort behandelt werden können. Derzeit ist die Nachfrage so groß, dass das Angebot an die bestehenden Kapazitätsgrenzen (Personal, Öffnungszeiten, Räumlichkeiten) kommt (vgl. Stark 2007: 95). Die Zahl der Konsultationen stieg dabei von 416 im Jahr 2001/2002 auf 1.139 im Jahre 2009 an. Bei Patienten Erstbesuchen stieg die Zahl in denselben Jahren von 180 auf 360 an. Der Anteil der Frauen beträgt 70-75 % und ist während den Jahren relativ konstant geblieben. Zwischen 2002 und 2009 1330 dokumentierte Patienten[3] aus über 68 Herkunftsländern zu der Internationalen Humanitären Sprechstunde. Die der größten Patientengruppen nach Herkunftsland geordnet kamen aus Eritrea (444), Äthiopien (331), Kamerun (88), Ghana (85), Kenia(68), Niger (49), Nigeria (45), Rumänien (23), Bulgarien (16), Marokko (12) und 169 Personen aus 58 übrigen Ländern[4]. Vom dem Großteil der Patienten werden auch soziale und familiäre Situationen angesprochen. In diesen Fällen wird die Sprechstunde zur Clearingstelle für Integrationsfragen. Anfänglich war das Projekt nur auf AfrikanerInnen ausgerichtet, was sich jedoch in 2009 änderte. Die Afrikasprechstunde wurde zur Internationalen Humanitären Sprechstunde. Im Rahmen dieses Projektes werden Kurse zu Ernährungs- und Hygienefragen, sowie Gruppenabende zur Familienplanung und sexuellen Aufklärung angeboten.

 

Psychosoziale Beratung (Gesundheit und Integration)

 

Polizeiprojekt mit der Stadt Frankfurt (Integration und Diskriminierung/Rassismus)

In diesem Projekt arbeitet Maisha e.V. mit der Frankfurter Polizei zusammen um die Menschenrechte in das Polizeitraining zu integrieren, um Trainingsmaterial von Grundrechten zu entwickeln, sowie ein reflektiertes Polizeitraining zu fördern, was europäische und nationale Grundrechte mit einbezieht. Vor ein paar Jahren gab Frau Wangare-Greiner ein Training für die Hessische Polizei in Wiesbaden. Auf Grund von einer Antisympathie zwischen Polizei und der Afrikansichen Community war es für Maisha e.V. wichtig dieses Programm weiterzuführen um gemeinsames Verständnis aufzubauen. Diese Programm wird in Veranstaltungen zwischen der Polizei und Jugendlichen, Frauen oder der ganzen Community durchgeführt. Um den Dialog zwischen afrikanischen Jugendlichen zu fördern wurde eine ehrliche Diskussionsrunde eröffnet wo Diskriminierung und „racial profiling[5]“ angesprochen wurden. Anschließend spielte die Polizei zusammen mit den afrikanischen Jugendlichen Fußball um Abneigung langsam in Vertrauen umzuwandeln.

Um den Dialog zwischen afrikanischen Frauen und der Polizei zu fördern gab es einen Diskussion über Probleme und Missverständnisse in der Gesellschaft. Anschließend kochten die Frauen für die Beamten und erklärten ihnen die Tradition des afrikanischen Essens und die Wichtigkeit der afrikanischen Gastfreundschaft um zukünftig eine bessere Atmosphäre zu erzielen.

Eine andere Veranstaltung öffnete eine offene Diskussion zwischen der Polizei und der afrikanischen Community als ganzes. Es wurde Bedürfnisse und Erwartungen angesprochen und die Gelegenheit gegeben sich mit der Heterogenität der afrikanischen Community (z.B. hinsichtlich Traditionen und Art der Kommunikation) auseinander zu setzten.

 

Racial Justice Sunday (Diskriminierung/Rassismus)

Der Racial Justice Sunday fand 2010 zum 11 Mal im Rahmen eines Gottesdienstes in einer Frankfurter Kirche statt. Dort soll an die Afrikaner und Afrikanerinnen erinnert werden, die ein Opfer von rassistischen Angriffen in Deutschland und Europa wurden. Es kommen Pastoren von verschiedenen afrikanischen Kirchen (muslimisch und christlich) um den Gottesdienst zu gestalten und es wird Solidarität gegenüber der Familien und Freunde der Opfer gezeigt.

Vernetzung von Maisha e.V.

Damit die Afrikanische Organisation ihre Ziele erreichen und Projekte umsetzen kann ist eine Vernetzung mit anderen Vereinen sehr hilfreich.



[1] Frankfurter Gesundheitsamt, Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt, Frauenrat und dem Sozialamt.

[2] Die “Roma-Sprechstunde” wurde bereits seit 1998 ärztlich geleitet und die Erfahrunge konnten für das neue Konzept und die neue Zielgruppe ausgewertet werden.

[3] Illegalisierte Patienten werden nicht in der Statistik aufgeführt

[4] Hintergrundgespräch mit Frau Wangare-Greiner

[5] Fahndung nach rassistischen Kriterien